Glanz, Groove und Rock-Ikone: Suzi Quatro rockte die Burgtheater-Freilichtbühne in Dinslaken
The wild One aus Detroit überragte mit einem phantastischen Event – 75-jähriges Rock-Idol sprühte nur so voller Elan und Esprit – Suzi & Band mit weiteren Konzerten in Deutschland
von Werner Kilian
Also eines vorweg: Laut ihrem US-amerikanischen Ausweis ist Suzi Quatro wirklich schon 75 Jahre. Aber das scheint für sie wirklich nur eine einfache Zahl zu sein. Denn beim gestrigen Konzert auf der Freilichtbühne in Dinslaken rockte die Rock-Legende wie eine junge Diva über die Bühne, als ob Altersjahre für sie außer Kraft gesetzt sind. Satte 61 Jahre steht die Lady jetzt schon auf den Bühnenbrettern und nach
dem gestrigen tollen Event dürfen sich alle Suzi-Fans freuen, dass es wohl noch einige Jahre mehr werden.
Von wegen müde und von wegen etwas langsamer, sie ist und bleibt einfach eine große Rock-Legende mit einer Stimme, die sich seit damals scheinbar nicht verändert hat. Ihre unbändige Energie, ihre überwältigende Bühnenpräsenz und ihre Virtuosität an der Bassgitarre erzeugten bei den Besuchern Gänsehaut-Momente, so wie man früher die kleine Wilde auf der Bühne kannte.
Die Freilichtbühne Dinslaken verwandelte sich in eine eruptive Rock-Tempelstätte, als sie mit ihrer 8-köpfigen Band die Bühne betrat und die Menge sofort mit einem energiegeladenen Auftakt packte. Und das gleich mit „The Wild One“, das frühere wilde Markenzeichen von ihr, die in den 70ern von Detroit nach England übersiedelte und dort zu einer der größten Rocksängerinnen der Musikgeschichte wurde.
Ohne Schnörkel und Songpause wurde gleich an den wilden Start mit „I may be too young“, „Daytona Demon“, „Tear me apart“ und „Mama´s Boy“ ein 5er-Songpaket drangehängt, womit jeder mal ordentlich auf Betriebstemperatur gebracht wurde. Den Besuchern wurde hier Quatros raues Gitarrenspiel und die markante Bassline präsentiert, womit schnell klar, dass man hier kein gewöhnliches Konzert erlebte, sondern eine Liebeserklärung an eine Pionierin des Rock.
Mit „Stumblin´ in“, „48th Crash“, „The Devil in me“, „I sold my soul today“ nahm sie alle mit auf ihre lange Rock- und Künstlerreise. Zwischen den Songs erzählte sie so manche Geschichten ihrer erfolgreichen Karriere, wo unter anderem auch ein erworbener Doktortitel erwähnt wurde. Musik von anderen Bands zu covern war nie ihr Ding, gestern machte sie eine Ausnahme und rockte den Young-Klassiker „Rockin´ in the free world“. Mit „Can I be your girl“ wurde das erste Set beendet, wo Suzi mit großem Beifall in die Katakomben verabschiedet wurde.
Nach einer gut 20-minütigen Pause ging es weiter im großen Best of Programm, wo mit „Motor City Riders“, dem CCR-Cover „Bad Moon rising“, „She´s in love with you“, „Shine a light“, wo sie kurzerhand selbst die Keybord-Arbeit übernahm und „Too Big“ gleich weitere Klassiker ihrer 61-jährigen Bühnengeschichte präsentiert wurden. Das Suzi sich trotz ihrer unfassbaren Karrieren-Geschichte nicht in den
Mittelpunkt stellt, wurde beim 73er-Hit „Glycerine Queen“ deutlich, wo sie eindrucksvoll jeden professionellen Musiker ihrer 8-köpfigen Begleitband vorstellte.
Dabei lieferte sie sich zu Beginn ein tolles Schlagzeug-Duett, wo sie nicht nur eindrucksvoll die Drum-Sticks hämmerte, sondern auch ihre unglaubliche musikalische Vielseitigkeit unter Beweis stellte. So wurde auch die Bassgitarre, auch ein Markenzeichen der nur 1,52m großen Musikerin, mal so richtig geprügelt. Hier lieferte sie sich ein rhythmisches und harmonisches Duell mit dem Schlagzeuger und brachte mit komplexen Basslinien, Zupfen, Slapping, individuellen Licks und fetten Bass-Soli auch den letzten Besucher zum erstarrten Staunen.
Mit ihrem weiteren 73er-Klassiker „Can the Can“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Mach den Deckel drauf“ und „Devil Gate Drive“ von 1974, läutete die Rock Lady das große Finale ein. Nach einem kurzen Break präsentierte sie mit „If You Can’t Give Me Love“ erneut ihre Vielseitigkeit und die große Kunst mit dem begeisternden Publikum zu spielen. Den Schlussakkord bildete dann der Chuck Berry Cover „Sweet Littler Rock & Roller“, wonach die Band mit einem rauschenden Beifall verabschiedet wurde.
Viele Zuschauer strömten bereits zum Ausgang, da betrat Suzi noch einmal die Bühne, setzte sich auf einen angestaubten Verstärker, schlang sich ein Handtuch um und beendete den Abend mit einem wirklich epischen Finale, wo sie beim Eagles-Klassiker „Desperado“ noch einmal ihre unglaubliche Stimmengewalt präsentierte. Dazu bat sie das
Publikum direkt vorne vor die Bühne zu treten, so dass man Suzi nochmal so richtig zum Anfassen bekam.
Dieses finale Stück allein war der krönende Abschluss eines phantastischen Konzertes einer junggebliebenen Rockmusikerin, die ihren Platz für immer in der Rockgeschichte findet. Sie war es, die vor über 50 Jahren Spuren in der Musikwelt hinterlassen hat, sie hat Straßen gebaut, wo sich nach und nach frauliche Rockgestalten zu großen Rockstars entwickeln konnte. Und die Fanschar darf sich freuen:
Bis Mitte des nächsten Jahres steht die ewig junge Suzi bei weiteren 22 Konzerten in Australien, Tschechien, dem Vereinigten Königreich und Deutschland weiter auf der Bühne (u.a. Berlin, Bochum, Baden-Baden, Hamburg, Siegen, alle noch in 2025).
Suzi, Danke für dieses epische Konzert, Danke für Deine phantastische musikalische Lebensleistung
Wir verneigen uns vor Dir!
Ein großes Danke geht auch an den Veranstalter, die a.s.s. concerts & promotion gmbh mit Sitz in Hamburg. Seit 45 Jahren gehören sie zu den etablierten und erfolgreichen Tourneeveranstaltern Deutschlands. Die Booking-Agentur für Rock-, Pop-, Folk-, Jazz- und World Music-Künstler und betreut jährlich über 1.000 Konzerte. So stehen nationale wie internationale Musik-Acts mit Künstlern wie Fury in the Slaughterhouse, Meat Loaf, Rory Gallagher († 1995), Kim Wilde, Nina Hagen, Juli, Christina Stürmer, The Hooters, 10cc u.v.m. in der persönlichen Firma-Vita.