Fliegende Saiten, glühende Kessel: THE DOUBLE VISION lassen die Amps im Haus Eifgen schmelzen
Rhythmische Urgewalt: Wie Graf, Sengotta und Herder Wermelskirchen schockgefrostet haben – Amtlich: Gestern wurde im Haus Eifgen Geschichte geschrieben – Band tourt bis Ende August in der Republik
von Werner Kilian
Wermelskirchen, 23.03.2026 – Es gibt Abende, da spürt man schon beim Betreten der Location, dass Musikgeschichte geatmet wird. Gestern war so ein Abend. Das Haus Eifgen, die kulturelle Trutzburg und das gemütliche Wohnzimmer für echte Musikliebhaber im Bergischen Land, freute sich über einen ganz besonderen Gast: Stephan Graf machte mit seiner hauseigenen Band THE DOUBLE VISION Halt im Eifgen. Die Stimmung? Elektrisierend. Das Ziel? Eine Überdosis Rock ’n’ Roll.
Ein Ambiente mit Seele: Das Haus Eifgen
Bevor der erste Riff durch den Saal peitschte, muss ein fettes Lob an das
Team vom Haus Eifgen raus: Die Gastfreundschaft, der perfekte Sound und diese unvergleichliche Nähe zwischen Fan und Künstler machen diesen Ort zu einer der besten Adressen für Live-Musik in der ganzen Republik. Ohne Übertreibung ist das wirklich mehr als ein musikalischer Geheimtipp für Konzerte und mehr. Hier wird Rock nicht nur konsumiert, hier wird er gelebt.
Stephan Graf: Der Mann mit dem „Ritterschlag“
Punkt 19:00 Uhr erlosch das Licht, und das Power-Trio THE DOUBLE VISION übernahm das Kommando. Im Zentrum des Sturms stand Stephan Graf. Wer seine Geschichte kennt, weiß, dass man hier keinen gewöhnlichen Gitarristen vor sich hat. Seit 2020 ist Graf fester Bestandteil der „Band of Friends“, der Formation um Gerry McAvoy, dem langjährigen Bassisten des legendären Rory Gallagher.

Dass Graf bei dieser „Obersten Instanz“ sowohl die Axt schwingt als auch den Gesang übernimmt, kommt einem musikalischen Ritterschlag gleich. Doch gestern Abend im Haus Eifgen wurde klar: Graf ist kein Kopist. Er trägt das
Feuer Gallaghers in sich, hat es aber längst mit seinem eigenen, brachialen Stil zu einem Flächenbrand namens Heavy ’n’ Roll weiterentwickelt.
Drei Männer, eine Naturgewalt
Was Stephan Graf an der Front mit seinen fliegenden Wechseln zwischen Fender Stratocaster und Telecaster zelebrierte, war Weltklasse. Doch ein Power-Trio funktioniert nur als Einheit: Diesmal saß mit Dirk Sengotta ein phantastischer Ausnahmedrummer an den Kesseln, der den Saal im Sturm
nahm.
Sengotta ist eine rhythmische Naturgewalt; mit seiner unglaublichen Präzision, seinem unfassbaren Drive und einer Wucht, die seinesgleichen sucht, peitschte er die Songs nach vorne, dass den Zuschauern förmlich die Ohren flatterten. Er bewies einmal mehr, warum er zur absoluten Elite gehört – sein Spiel verlieh dem Sound eine zusätzliche, massive Tiefe und eine Dynamik, die jede Faser des Raums vibrieren ließ.
Den entscheidenden Gegenpol bildete Hendrik Herder am Bass, die
personifizierte Definition von „Low-End-Power“. Als unerschütterliches Fundament, auf dem der massive Sound ruht, sorgte er mit erdigem Druck dafür, dass der Rock nicht nur gehört, sondern in jeder Faser des Körpers gespürt wurde. Herder verstand es meisterhaft, die Brücke zwischen traditionellen Blues-Wurzeln und moderner Härte zu schlagen und bildete den rhythmischen Anker, der das Trio auch bei höchstem Tempo sicher in der Spur hielt.
Das Trio pflügte sich gnadenlos durch ein Set, das keine Wünsche offen ließ und die Fans von der ersten Sekunde an in seinen Bann zog: Die Reise begann elektrisierend mit „Magpie“ (2014), gefolgt vom druckvollen „Against A Wall“ (2014) und dem Graf-Klassiker „Top Secret“ (2014), bevor das hochemotionale „I Fall Apart“ (1971) für Gänsehaut sorgte, woraufhin die Band mit „Demons Dance“ (2018), „Big Trouble“ (2018), dem legendären „Bad Penny“ (1979) und dem kraftvollen „1989“ (2018) das Tempo wieder verschärfte.
Ein irrer Gig mit atemberaubenden Finale
Nach einem atmosphärischen Acoustic Intro startete der zweite Teil zunächst mit dem Gallagher-Hammer „The Western Plain“ und einem weiteren Akustikstück. Dann folgten die bekannten
Mitsing-Garanten „Going To My Hometown“ (1972), dem mystischen „Ghost Blues“ (1990), dem packenden „Heroes“ (2018) sowie den zeitlosen Hymnen „Million Miles Away“ (1973) und „Shadow Play“ (1978), die den Saal in totale Ekstase versetzten, bis schließlich das brachiale „Draggin Me Down“ (2024) den finalen Schlusspunkt unter diesen denkwürdigen Abend setzte.
Stagnation? Fehlanzeige. THE DOUBLE VISION haben heute bewiesen, warum sie durch ganz Europa touren und Bühnen mit Größen wie Johnny Winter
geteilt haben. Ihr Kurs weg von der Nische, hin zum druckvollen Heavy’n’Roll, hat das Publikum im Haus Eifgen vollends mitgerissen. Wer gestern nicht dabei war, hat einen Meilenstein verpasst. Stephan Graf ist ein Meister seines Fachs, der den Spagat zwischen der Ehrung seiner Wurzeln und der Neuerfindung des Rock’n’Roll perfekt beherrscht. Ein Konzertbesuch bei diesem Ausnahmemusiker ist ein absolutes MUSS für jeden Rockfan!

| DATUM | STADT / BUNDESLAND / LAND | LOCATION |
| SA/25.04.2026 | NEUSTADT/ORLA | WOTUFA, MUSIK ROCKT Festival |
| FR/12.06.2026 | SAALFELD | Villa Weidig |
| SO/14.06.2026 | SCHÖNAU/WUTHA-FARNRODA | FREILICHTBÜHNE |
| SA/20.06.2026 | KLEIN OßNIG | SCHÖN OßNIG OA |
| MI/12.08.2026 | WAFFENROD | WOODSTOCK FOREVER FESTIVAL |
| SA/29.08.2026 | HEIDEBLICK/ GEHREN | WALDBÜHNE |
Fotos mit freundlicher Genehmigung und Dank an Stephan Graf, Dirk Sengotta, Hendrik Herder, THE DOUBLE VISION, BEST OF FRIENDS, Haus Eifgen, U. Pabst und Archiv


