High-Voltage-Terror: AC/BC verwandelten die Porzer GROOVE BAR in eine schweißnasse Hardrock-Hölle

Vollblutmusiker lieferten dreckigen, lauten und unersetzbaren Rock´n´Roll – Knapp 150 Zuschauer außer Rand und Band – Nächste Gigs in Bad Wildbad (27.6.) und Bonn (19.7.)

von Werner Kilian

KÖLN-PORZ-WAHN. Vergiss weichgespülten Radio-Pop und glattpolierte Pyro-Shows. Wenn der Schweiß von der Decke regnet, die Amps so laut brüllen, dass der Putz von den Wänden bröckelt und eine Meute Verrückter im Chor nach „Angus!“ schreit, dann ist verdammt noch mal Rock-Time im Kölner Süden!

Gestern Abend hat die Hardrock-Walze AC/BC die GROOVE BAR überrollt. Punkt 19.30 Uhr war Schluss mit lustig: Totale Rock’n’Roll-Zerstörung stand auf dem Plan. Und die Porzer Meute hat die volle Ladung High-Voltage-Dreck ungefiltert mitten auf die zwölf bekommen!

Die Arena: Wo der Rock noch zu Hause ist

Wer bitteschön will AC/DC-Sound in einer sterilen Multifunktionsarena sehen? Richtig, niemand! Für diesen geilen, erdigen Dampfhammersound brauchst du einen Club, der nach Bier und ehrlicher Arbeit riecht. Die GROOVE BAR auf der Frankfurter Straße 200 ist genauso ein geiler Schuppen. Seit 1997 zieht Chef George Schindler das Ding hier kompromisslos durch. Seit fast drei Jahrzehnten drückt er Porz-Wahn das ganze Jahr über namhafte Live-Bands aufs Auge.

Die Hütte lädt durch ihre geniale, verschachtelte Bauart regelrecht zum kollektiven Ausrasten ein: Egal wo man steht, man hat die perfekte Sicht auf die Bühne, kriegt den Bass-Druck direkt in die Magengrube geprügelt und steht mitten im Epizentrum des Wahnsinns. Für AC/BC der perfekte Käfig für ein unbarmherziges Riff-Gewitter.

17 Jahre Arsch abrocken und keine Gefangenen

AC/BC sind keine geleckten Castingshow-Bubis – die Jungs stehen seit satten 17 Jahren auf den staubigen Brettern der Republik und haben sich sprichwörtlich den Allerwertesten blutig gerockt. Über 300 Gigs auf dem Buckel, Besetzungswechsel überstanden, den Mittelfinger Richtung Trends gestreckt. Warum? Weil diese fünf Vollblut-Musiker ohne den „Let there be rock“-Sound schlicht krepieren würden!

Mit einer fast schon beängstigenden Leidenschaft jagen sie das Erbe der australischen Rock-Götter durch die Boxen. Und das so rotzig, ehrlich und verdammt noch mal originalgetreu, dass du beim Augen schließen schwören könntest, die echte Aussie-Legende steht da oben und tritt dir höchstpersönlich in den Hintern. Kein Wunder, dass sich um die Truppe eine treue, reibungslose Fan-Armee geschart hat.

Das Abriss-Kommando: Fünf Kerle wie Dynamit

Diese fünf Haudegen haben den Blues im Blut und den Hardrock im Urin. Jeder Einzelne ein absoluter Meister seines Fachs, die zusammen eine unaufhaltsame Einheit bilden:

Klaus Opreé (Der Reibeisen-Gott am Mikro): Seit der Gründung 2009 der unumstrittene Rudelführer. Der Typ steht seit über 50 Jahren auf der Bühne – und das merkst du jeder Sekunde an. Klaus singt nicht nur, er spuckt die Zeilen regelrecht aus.

Seine Stimme ist eine brutale Mischung aus dem dreckigen Bon-Scott-Rotz und der markerschütternden Brian-Johnson-Urgewalt. Gerüchten zufolge frisst er vor den Gigs kein Müsli, sondern eine Packung grobes Schmirgelpapier. Ein absoluter Vollblutmusiker, der die kochende Atmosphäre der Groove Bar inhaliert wie reinen Sauerstoff.

Wulf Hanses-Ketteler (Die Rhythmus-Maschine): Ebenfalls Gründervater von 2009 und das musikalische Chamäleon. Tagsüber schreibt er Nummern für das „Let’s Dance“-Ensemble im TV, aber abends mutiert er an der Rhythmusgitarre zum absoluten Berserker.

Wulf prügelt die Akkorde mit einer solchen Brutalität und Präzision aus seinem Rhythmus-Schlitten, dass er das betonharte Fundament für die gesamte Show gießt. Der Typ lebt jeden verdammten Takt mit jeder Faser seines Körpers.

Wolfram Oberle (Der Angus-Wahnwitzige): Für die Kernschmelze im Saal sorgt Wolfram. In der legendären Schuluniform imitiert er Angus Young nicht nur, er IST es auch auf der Bühne.

Seine Finger fliegen so pervers schnell über das Griffbrett, dass den Gitarren-Gurus im Publikum die Spucke wegbleibt. Sein purer, ungezähmter Bewegungsdrang reißt die Meute komplett mit. Ein Wahnsinniger auf sechs Saiten, vor dessen Energie keine Bank und kein Stuhl im Club sicher ist.

Bernie Beginn (Der Tiefton-Schlächter): Bernie ist ein verdammt erfahrener Bühnenhase und bearbeitet seinen Viersaiter mit der Härte eines Vorschlaghammers. Seine Basslinien sind schwärzer als Schachtkohle und so massiv wie eine Betonwand.

Er peitscht das Tempo gnadenlos nach vorne und hält die Spur, selbst wenn der Express komplett zu entgleisen droht. Wer glaubt, Bass sei nebensächlich, hat Bernie noch nicht gehört – ohne diesen Kerl bricht die Hütte zusammen!

Lutz Hanses-Ketteler (Der Kessel-Prügler): Seit drei Jahren der „Frischling“ an den Drums, aber er holzt da hinten rein, als hätte er die letzten 20 Jahre nichts anderes getan.

Lutz hat den unbarmherzigen Groove gepachtet, behält im größten Chaos die Ruhe und zimmert die Beats mit einer solchen AC/DC-Schlagkraft ins Gebälk, dass es eine wahre Freude ist. Hinter seiner Schießbude verrichtete er an diesem Abend echte, schweißtreibende „Schweinearbeit“ – ein Tier am Werk!

Das Massaker: Schwere Riffs und kollektive Ekstase

Ohne großes Gelaber und lästigen Schnickschnack rammte die Crew die Riffs direkt ins Fleisch. Das Publikum – stilecht in alten, speckigen, verwaschenen Band-Shirts, die teilweise etwas spack saßen, was aber niemanden interessierte – rastete komplett aus. In den ersten Reihen ging jegliche Contenance flöten. Links vor der Bühne bildete sich sofort die Speerspitze der textsichersten Hardcore-Anhänger, die sich die Seele aus dem Leib brüllten.

Hier ist das Protokoll des Wahnsinns (inklusive Baujahr der Original-Granaten):

Erster Akt: Das Vorglühen zur Kernschmelze

  1. R’n’R Damnation (1978) – Der erste Punch direkt auf die Zwölf. Die Betriebstemperatur schoss sofort durch die Decke.
  2. Shot Down In Flames (1979) – Dreckig, rotzig, gemein.
  3. Back In Black (1980) – Das fetteste Riff der Rockgeschichte ließ das Fundament der Groove Bar erzittern.
  4. Stiff Upper Lip (2000) – Ein schwerer Blues-Rocker, der wie eine Planierraupe durch den Club rollte.
  5. Hell Ain’t A Bad Place To Be (1977) – Spätestens hier war der Club eine einzige schwitzende Masse.
  6. Thunderstruck (1990) – Wolframs Tapping-Intro zersägte die Luft. Kollektive Gänsehaut und pures Durchdrehen!
  7. Sin City (1978) – Bernies Bass pumpte das pure Gift in die Venen der Fans.
  8. Rock’n’Roll Train (2008) – Geradeaus, wuchtig und brutal wie eine Dampflok ohne Bremsen.
  9. If You Want Blood (1979) – Aggressiver Hardrock alter Schule, genau so muss das!
  10. Hells Bells (1980) – Düster, monumental. Als die unsichtbare Glocke läutete, gab es kein Halten mehr. Der perfekte Cut für die Pause.

Die Pause: Dringend nötig! Die Meute war klitschnass geschwitzt. Erst mal raus, nach Luft schnappen und literweise Gerstensaft in die ausgetrockneten Kehlen kippen, um den Staub runterzuspülen. Auch Frontmann Klaus musste kurz die Stimmbänder kühlen, bevor es in die finale Schlacht ging.

Zweiter Akt: Totale Zerstörung

  1. Dirty Deeds (1976) – Zurück aus der Kabine und direkt das nächste Brett nachgelegt. Das Publikum war sofort wieder auf 180.
  2. Riff Raff (1978) – Ein mörderisches Hochgeschwindigkeits-Geschoss. Lutz drosch auf die Kessel ein wie ein Besessener.
  3. You Shook Me All Night Long (1980) – Die Hymne für die Rockerbräute im Saal, ohrenbetäubend mitgegrölt.
  4. High Voltage (1975) – Purer Starkstrom, der die Nackenhaare senkrecht stehen ließ.
  5. Girls Got Rhythm (1979) – Knackig, dreckig und schnörkellos auf den Punkt gerockt.
  6. T.N.T. (1975) – Die „Oi!-Oi!-Oi!“-Chöre der Porzer Meute waren so laut, dass wahrscheinlich selbst in Köln-Deutz noch die Gläser im Schrank gewackelt haben.
  7. Whole Lotta Rosie (1977) – Wolfram eskalierte völlig auf den Boxen, die Amps glühten rot.
  8. Let There Be Rock (1977) – Das reguläre Finale. Ein brutaler Exzess, bei dem Bernie die schwarze Bass-Line hielt wie ein Fels in der Brandung, während Wolfram sich die Seele aus dem Leib spielte.

Der Nachtisch (ZUGABE): Wer dachte, AC/BC machen jetzt Feierabend, hatte sich geschnitten. Die Meute forderte brüllend und schweißnass Nachschlag. Und das Abrisskommando lieferte:

  1. Highway To Hell (1979) – Die ultimative Hymne. Jede verdammte Hand im Saal war oben, ein einziges Meer aus Rock’n’Roll-Spreizgabeln.
  2. For Those About To Rock (1981) – Die imaginären Kanonen ballerten den Rest Verstand aus der Birne. Ende. Aus. Vorbei. We salute you, Porz!

Das Urteil: Ein verdammt geiles Erlebnis

Was bleibt hängen nach so einem brutalen Abriss? Ein Abend mit AC/BC ist kein normales Konzert, es ist eine verdammt intensive Grenzerfahrung für Gehör und Nackenmuskulatur. Diese fünf Vollblut-Rock-Schlächter liefern eine Show mit so viel Professionalität, Dreck, Schweiß und ehrlicher Leidenschaft ab, dass du einfach wiederkommen MUSST.

Und George Schindlers Groove Bar hat mal wieder bewiesen, warum sie die unangefochtene Speerspitze der Kölner Live-Clubs ist. Wer diesen Abend verpasst hat, ist selber schuld.

Rock’n’Roll in seiner reinsten, dreckigsten Form!

(Fotos mit freundlicher Genehmigung und Dank an George Schindler, GROOVE BAR, AC/BC-Crew, Katharina und Archiv)